Mein ungewöhnlich gewöhnlicher Geburtsbericht

Viele werden sich jetzt denken „Wenn ihre Geburt nicht außergewöhnlich war, warum schreibt sie dazu einen Blogbeitrag?!“. Nun, ich kann euch sagen warum.. Viele werdende Mamas haben das Bedürfnis, sich auf die Geburt so gut wie möglich vorzubereiten und lesen jede Menge Geburtsberichte. Meistens stösst man dabei allerdings nur auf die „Horrorgeschichten“, bei denen der Reihe nach alles schief geht oder zB. wenigstens bei der Geburt entschieden wird, das Kind doch per Kaiserschnitt zu holen usw.. Ich persönlich hab keinerlei Geburtsberichte gelesen, mir haben die Dinge gereicht, die mir meine Freundinnen erzählt haben ;) Außerdem bin ich der Meinung, dass mir die ganze Vorbereitung eh nichts nutzt, denn jede Schwangerschaft und jede Geburt ist anders und es kommt sowieso wie es kommen will. Na jedenfalls will ich mit meinem Beitrag einfach eine relativ normale Geschichte beisteuern, auch um sie für mich festzuhalten bevor mein Gedächtnis noch mehr zu Mus wird als jetzt schon (Stilldemenz #2 lässt grüßen ) :D

Also Rückblende zum Mai 2017. Die letzten Wochen vor der Geburt waren für mich ein bisschen mühsam, denn mir wurde (zu) wenig Fruchtwasser attestiert, was bedeutet, dass ich viel häufiger als normal zum CTG ins Krankenhaus musste. O-Ton meiner Hebamme dazu: „Die sollen sich nicht immer so ansch****en..“ :D Aber ja, wenn sichs die Ärzte einbilden.. Aja, weil ich gerade meine Hebamme erwähnt hab.. Ich hab mich früh dazu entschieden, mir eine eigene Hebamme zu nehmen, die mich vor, während und nach der Geburt begleitet. Durch Empfehlungen im Freundeskreis bin ich schnell fündig geworden und habe die für mich perfekte Hebamme gefunden. Dabei wollte ich vor allem jemanden, der mich nicht betüddelt und alles gut redet, sondern bodenständig ist und mir sagt, was Sache ist, und wenn nötig, auch gegen die Ärztemeinung einsteht. Für mich war die Entscheidung zur eigenen Hebamme die absolut richtige und ich würde es immer wieder genau so machen. Man muss aber dazu sagen, dass es sicher auch eine Geldfrage ist, denn erfahrene Hebammen sind nicht unbedingt billig, in meinen Augen aber jeden Cent wert. Allein zu wissen, dass da jemand ist, den ich bereits kenne, der mich durch die gesamte Geburt begleitet und ich nicht jemandem total Fremden vertrauen muss, der vielleicht genau während den stärksten Wehen dann Schichtwechsel hat, hat mich sehr beruhigt.

Aber zurück zum eigentlichen Ereignis ;) Wir schreiben den 23. Mai 2017 – es sind 7 Tage bis zum errechneten Geburtstermin. Ich habe am späten Vormittag einen CTG-Kontrolltermin im Krankenhaus Melk, zu dem mich meine Schwiegermum begleitet. CTG unauffällig, alles ok, und sogar das Fruchtwasser ist soweit in Ordnung, dass mich der Assistenzarzt bis zum ET nach Hause schickt – Halleluja! Ich bin total erleichtert, weil mir das irgendwo den seelischen Druck nimmt.. Denn im Kopf bin ich immer das Szenario durchgegangen mit künstlicher Einleitung der Wehen etc. und das wollte ich eigentlich vermeiden. Aber gut, nach dem Krankenhaustermin beschließen wir noch, uns die Innenstadt von Melk anzuschauen, was in einem langen und anstrengenden Fußmarsch resultiert, der mich ziemlich erschöpft nachmittags zu Hause ankommen lässt. der übrige Tag verläuft ereignislos bis ich abends beim Hauptabendprogramm sitze und „Sing meinen Song“ schaue. Plötzlich spüre ich ein Ziehen… Ich denk mir noch nicht viel dabei, denn das kann ja quasi alles sein.. Und gerade als Erstgebährende hat man ja null Schimmer, ob jetzt Probewehen oder echte Wehen oder sonstwas angesagt sind.. Ich muss dazu sagen, dass ich davor nie Probewehen oder etwas Ähnliches hatte, nur die Art, wo der Bauch richtig hart wird, aber völlig schmerzfrei. Naja, nachdem dieses Ziehen aber eine Weile später wieder kommt..und wieder…und wieder…werde ich dann doch langsam nervös und beginne, die Abstände mit Hilfe einer Handy-App mitzutracken. Auch meinem Mann geb ich Bescheid, dass es vermutlich langsam losgeht, der gerade im Obergeschoß im Büro arbeitet. ;)

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Mein Blick, als die ersten Wehen abends kamen :D

So vergehen die nächsten Stunden. Meinen Mann schicke ich ins Bett, weil das ja noch ewig dauern kann, und ich versuche auch ein bisschen zu schlafen/dösen, gebe aber schnell auf, weil ich mit zunehmenden Wehen das Bedürfnis habe mich zu bewegen bzw. zumindest zu stehen. Womit ich nämlich nicht gerechnet habe, ist, dass die Wehen bei mir primär nicht im Beckenbereich „einfahren“, sondern im Rücken und das ist ein unguter Schmerz, den ich so gar nicht kenne. Viele haben ja auch während der Regel Rückenschmerzen, davon bin ich aber immer befreit gewesen und so kommt das für mich eher überraschend. Dass dieser Schmerz noch nichts ist gegen das, was noch im Laufe der Stunden kommen wird, muss ich ja wohl keinem erklären ;)

Na jedenfalls ist es nach 2, als ich meinen Mann wecke und mich mit ihm beratschlage, weil die Abstände zwischen den Wehen nur etwa 4 Minuten betragen.. Ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass es noch zu früh ist und ich mich „lächerlich“ mache, weil ich nicht glaube, dass das schon alles war, was die Wehen „hergeben“, aber weil ich ja keine Ahnung habe und lieber auf Nummer sicher gehen will, fahren wir ins Krankenhaus. Das CTG bestätigt die Wehentätigkeit (nanonana), aber wie erwartet meint die Ärztin, dass es sich noch um mehrere Stunden handeln wird, bis es tatsächlich los geht. Sie meint, sie könnte versuchen mich unterzubringen, aber dass gerade nicht wirklich was frei ist. Ich könnte aber auch nochmal nach Hause fahren und dort warten. Das Angebot nehme ich gerne an, denn stundenlang auf einem Krankenhausflur auszuharren, ist keine besonders tolle Aussicht…

Wieder zu Hause geht mein Mann nochmal ins Bett und morgens dann sogar noch auf eine Baustellenbesprechung, bis ich ihn gegen 9 anrufe und Bescheid gebe, dass wir dann wohl doch wieder ins Krankenhaus fahren sollten, weil die Wehen langsam ordentlich stärker werden und ich mit zunehmenden Wehen dann nicht mehr im Auto sitzen möchte. Gesagt getan. Beim Warten auf das CTG muss ich mich dann schon richtig aufs Atmen konzentrieren und das CTG selbst im Liegen ist schon ein bisschen wie Folter.. Na jedenfalls geht es dann zum Glück recht schnell, dass wir in den Kreißsaal dürfen, ich wieder meine Ruhe habe und mich auf mich selbst konzentrieren kann. Ich weiß noch, dass mir irgendwann kurz schlecht wird und ich das Stückchen Banane, dass ich mir in der Nacht eingebildet hatte (weil ich mir dachte, dass ich die Kraft vielleicht brauchen könnte), in eine Spuckschale spucke :D Auch meine Hebamme trifft ein, füllt einige Formulare aus und schließt mich dann auf Wunsch des Primars nochmal ans CTG an – zum Glück im Stehen, denn sitzen oder liegen will ich gerade absolut nicht mehr..

Und dann heißt es Warten… Mein Zeitgefühl ist total weg, ich könnte nicht sagen, ob 2 oder 6 Stunden vergehen. Ich konzentriere mich nur auf mich, auf das Durchatmen durch die nächste Wehe und die kurze Entspannung dazwischen. Mein Mann versucht zwischendurch mir die Rückenschmerzen durch einen Kniff meiner Hebamme zu erleichtern, aber ich ertrage ehrlich gesagt keine Berührung, weil es mich zu sehr ablenkt und ich meine ganze Konzentration für mich brauche. Ich weiß noch, dass ich zwischendurch mal probiert hab, ob mir „aushängen“ gut Erleichterung bringt, aber ich bekomme meine Hände während der Wehe gar nicht wirklich rauf :D Dann wird meine Erinnerung ungenauer, die Reihenfolge im Ablauf hab ich nicht mehr genau im Kopf.. Irgendwann gehe ich am Bett in den Vierfüßlerstand, aber nicht lange und dann liege ich am Rücken, meine Hebamme untersucht den Muttermund und dann weiß ich nur mehr, dass sie sagt „Wenn du willst, kannst du dann versuchen zu pressen.“. Ich denke nur „Was, ist es wirklich schon soweit?!“, denn ich dachte immer die Presswehen müssten nochmal viel, viel stärker sein als die letzten „normalen“ Wehen. Naja, also fange ich an, während der Wehen zu pressen, der Primar taucht auf, man setzt mir prophylaktisch einen Zugang, ich bekomme abwechselnd einen wehenstärkenden Nasenspray (was ich sehr seltsam finde) und reinen Sauerstoff. Dann meint meine Hebamme, dass man bei der letzten Wehe schon die Haare sehen konnte, und ich frage meinen Mann noch, ob das stimmt :D Der Primar meint, wenn das Baby nicht bei den nächsten 2 oder 3 Wehen da ist, bekomme ich einen Wehentropf, und ich denke „Du kannst mich mal, sicher nicht!“, lege bei der nächsten Wehe nochmal einen drauf und ZACK – ist mein kleines Wunder da! :D

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Liebe auf den ersten Blick <3 Für immer und ewig.

Tom schneidet die Nabelschnur ab, die Kleine wird direkt neben uns im Kreißsaal kurz vermessen und untersucht, bekommt Vitamin K (abgesegnet von meiner Hebamme) und wird mir dann direkt auf die Brust gelegt, nachdem meine Hebamme auch die Nachgeburt sichergestellt hat. Ich bin völlig fasziniert und fertig und total abgelenkt vom Vernähen meiner internen Wunden, was doch recht lange dauert.. Aber das einzig Wichtige ist dieses perfekte kleine Wesen, das da friedlich an meinem Busen kuschelt <3 Meine Hebamme legt sie mir auch noch im Kreißsaal das erste mal an und schon das erste Stillen funktioniert ziemlich problemlos.

Irgendwann werden wir dann in unser Zimmer gebracht, wo unsere Kleine dann schnell einschläft und auf mich eine schwer benötigte Stärkung wartet. Ich verbringe eine Nacht im Krankenhaus und entlasse mich dann am nächsten Tag selbst (der Primar hätte mich gern noch eine Nacht behalten), weil ich keine Komplikationen habe und ich weiß, dass mich zuhause ja meine Hebamme betreut. Denn auch wenn das Melker Krankenhaus echt klein und familiär ist, so ist es eben doch ein Krankenhaus und daheim fühle ich mich definitiv wohler ;)

Ja, das war mein kleiner, feiner Geburtsbericht..ich hatte gehofft, dass auch meine zweite Geburt so komplikationslos abläuft! Wie die dann wirklich war, berichte ich ein anderes Mal ;) Ach ja, was ich vielleicht noch erwähnen sollte: ich hatte grundsätzlich nicht vor, mir eine PDA verpassen zu lassen (auch weil ich die Vorstellung von einer Spritze ins Rückenmark grauenvoll finde), war aber offen dafür, sollte ich sie brauchen oder plötzlich wollen – vorher hat man ja keine Ahnung, wie man mit den Schmerzen umgehen wird.. Ich muss aber sagen, ich hab während der gesamten Geburt nichtmal dran gedacht. Ja, die Schmerzen waren krass und ich musste mich 100%ig aufs Atmen und auf mich konzentrieren, aber dadurch, dass man weiß, dass die Wehe auch gleich wieder vorbei sein und man eine kurze Pause haben wird, war das für mich „gut“ auszuhalten. Natürlich ist da aber auch jeder anders und es kann gut sein, dass es bei einer Geburt so, bei der anderen dann anders ist..

Ich hoffe jedenfalls, dass ich vielleicht der einen oder anderen zukünftigen Mama so ein bisschen die Angst nehmen konnte. Mein Tipp wäre in jedem Fall: macht euch nicht zu viele Gedanken, es kommt sowieso wies kommt. Im Endeffekt kannst du fast nichts beeinflussen, außer du hast einen geplanten Kaiserschnitt und den würde ich nur aus gesundheitlichen Gründen in Betracht ziehen, denn trotz Schmerzen ist das Erlebnis Geburt einfach erlebenswert.. Und ich war noch nie so stolz auf mich und meinen Körper wie danach. <3

Na dann bis zum nächsten Mal, ihr Lieben!
Eure Sandra