Über das älter Werden – oder 5 Gründe, warum ich keine 20 mehr sein will

Über das älter Werden.. - Sandra Klary Fotografie

Da ist er also, der große Tag. 33. Eine Schnapszahl. Und ein Alter, über das ich mir bisher nie groß Gedanken gemacht hab, weil es einerseits immer weit weg war und weil es andererseits jetzt keinen großen neuen Lebensabschnitt darstellt… Ich meine, vorm 30er macht man sich schon Gedanken. 30 ist irgendwie für mich die Grenze von „jung sein“, wenn ihr wisst, was ich meine. Bis 29 geht man gut als Student durch und gehört zu den hippen Leuten (oder zumindest könnte man das, wenn man wollte). Ab 30 ändert sich das dann doch – zumindest gefühlsmäßig – ganz schön.

Ist man Single, wird es immer schwieriger, jemanden ohne kompliziertes „Gepäck“ zu finden, beziehungsweise ist man vielleicht selbst auch schon so „vorgeschädigt“, dass man sich das Leben selbst schwer macht.

Ist man in einer Beziehung, dann oft schon so lange, dass das gemeinsame Leben zum Großteil Gewohnheit ist und in den immer gleichen Bahnen verläuft. Man muss anfangen, sich wieder zu bemühen und den Funken am Leben zu erhalten. Je nach Lebensumständen kann das ganz schön schwierig sein. Und nicht Wenige gehen gerade in dieser Phase dann fremd und setzen ihre Beziehungen aufs Spiel.

Frau ist jetzt natürlich auch in einem Alter, in dem sie sich langsam Gedanken über die Familienplanung machen muss. Klar ist es heute nicht mehr ungewöhnlich, erst mit 40 Mutter zu werden. Aber will man das? Will man 60 sein, wenn das Kind das Haus verlässt? (Passiert ja auch immer später..) Und wenn das mit der Familienplanung dann nicht so funktioniert, wie man sich das vorstellt und wünscht, dann ist das natürlich auch nicht gerade förderlich für die Beziehung, denn Frust und innere Anspannung sind vorprogrammiert. Ein Teufelskreis.

Aber darum soll es ja heute gar nicht gehen. 33. Vermutlich ein guter Zeitpunkt, um ein Zwischen-Resümee zu ziehen über das eigene Leben. Studium? Check. Job? Check. Glückliche Ehe? Check. Eigenheim? Check. Hört sich doch nicht so schlecht an oder? Andererseits…ich fahre immer noch nicht Auto. Bin immer noch nicht schwanger/Mama. Hab immer noch nicht das Selbstvertrauen, mich nebenberuflich als Fotografin selbstständig zu machen. Ich hab noch nie in meinem Leben mehr gewogen als jetzt. Bin immer noch unsicher im Gespräch mit fremden Menschen.

Ganz ehrlich? Jeder dieser Punkte frustriert mich. Teilweise sogar ganz schön. Aber jeder Punkt ist auch ein Ziel, ein Weg, eine Motivation mich und damit mein Leben zu verändern. Und das ist gut so.

Ich glaube, dass fast alles im  Leben seinen Sinn hat. Ja, unser Handeln bestimmt zu einem großen Anteil unser Schicksal. Aber wir können nicht für alles den Zeitpunkt bestimmen. Manchmal dauert es ohne ersichtlichen Grund einfach länger unsere Ziele zu erreichen, es tauchen neue Hindernisse auf, die es erst noch zu überwinden gilt, und so weiter… Der Mensch ist geboren um zu lernen und sich zu verändern. Und das will ich weiterhin tun. ;)

5 Gründe, warum ich keine 20 mehr sein will - Sandra Klary Fotografie

Bei all den Unpässlichkeiten, die das älter Werden so mit sich bringt, muss ich aber doch festhalten, dass ich nicht nochmal 20 sein wollen würde. Nein, ganz sicher nicht. Und das hat gute Gründe…

1. Das „Omg, was ist nur meine Bestimmung?!-Dilemma“

Mit 20 hatte ich keinen Schimmer, was ich mit meinem Leben anfangen wollte. Ich hatte ein Jahr Theaterwissenschaften und Publizistik studiert (jaja, bitte keine Kommentare), weil mich Journalismus und Theater interessiert einfach hat und mir immer alle gesagt haben „Du bist so schlau, du musst studieren!“… Es war furchtbar schwer für mich, mir selbst und generell einzugestehen, dass diese Studien nicht das Richtige für mich waren und abzubrechen…dann wieder auf die Suche nach dem zu gehen, was ich mein Leben lang mache wollte… Denn das war damals noch meine Vorstellung: Ich muss mich jetzt entscheiden, was ich mein ganzes Leben lang machen will. Heute weiß ich, dass das Quatsch ist. Grade durch meine Arbeit auf der FH weiß ich, wie viele Menschen heute mitten im Leben stehen und neu anfangen/umschulen. Das wird immer normaler. Und nur weil ich heute als Programmierer arbeite, heißt das nicht, dass ich das ewig machen werde. Möglichkeit zur Veränderung gibts immer.

2. Gruppenzwang, Trends, Mode, usw.

Oh Mann… Als junge Frau hat man doch irgendwie immer das Gefühl, jeder schaut einen an und bewertet innerlich (oder sie fangen sogar an zu tuscheln, das ist ganz schlimm). Ich hab nie wirklich zu den Menschen gehört, die „in“ sein wollten – dazu bin ich zu wenig klassisch weiblich – aber auf irgendeine Art und Weise dazu zu gehören, wäre schon nett gewesen. Ich bin ja eher so ein Einzelgänger-Typ. Wenige, dafür verdammt gute Freunde, damit fühl ich mich wohl. Aber trotzdem hatte ich immer das Gefühl, irgendwie „falsch“ zu sein..fehl am Platz..wie auch immer. Das is heute viel besser geworden. Es ist mir ziemlich egal, was andere denken, denn ich bin wie ich bin und könnte das nicht mal dann verändern, wenn ich es wollte (was ich nicht tu). Ich passe in keine Schublade und hab auch nicht mehr das Bedürfnis dazu.

3. „Ist er der Richtige?“ bzw. „Finde ich je den Richtigen?“

Puh..mit 20 war ich gerade 2 Jahre mit meinem Mann zusammen, kurz darauf haben wir uns sogar für eine paar Wochen getrennt..Kurz gesagt: ich war absolut nicht sicher, ob dieser Mann meine Zukunft war oder nicht. Ich wusste auch nicht, was ich wollte. Wir waren damals viel mit den lokalen Fußballern unterwegs und die haben ihre Jugend und ihren Status immer ausgenutzt und ausgelebt… Ich wusste nicht, ob mir da etwas entging oder nicht. Gut, ich war nie der Typ für Kurzgeschichten, geschweige denn ONS…aber sollte man nicht ein bischen was erleben, um auch einfach vergleichen zu können? Das alles ging mir damals durch den Kopf.. Zum Glück hat sich alles wieder eingerenkt und ja, in ein paar Tagen feiern wir 15 Jahre zusammen  (die paar Wochen „Pause“ interessieren uns nicht) ;)

Abhängigkeit und eingeschränkte Möglichkeiten

Mit 20 hab ich bei meiner Mum gewohnt, hab Taschengeld bekommen und ab und zu Mini-Jobs gemacht. Geld hat mir nie viel bedeutet, ich bin niemand, der im Luxus leben will/muss. Aber natürlich hab ich damals viel mehr überlegen müssen, was ich mir leisten will und konnte auch öfter mal Dinge nicht kaufen oder tun, die mir gefallen hätten. Das ist mir damals gar nicht so aufgefallen bzw. hat mir nichts gefehlt oder so, aber heute fällt mir das natürlich deutlich auf. Denn jetzt muss ich nicht bei jeder Kleinigkeit überlegen und ich kann auch mal spontan sein, so wie bei der Buchung meiner nächsten London-Reise zum Beispiel. Überhaupt hätte ich mehr reisen sollen damals..vielleicht sogar per Bahn durch Europe oder so. Aber das hätte ich mir nicht zugetraut, glaube ich. So ändern sich eben die Zeiten, den mein Solo-London-Trip war eine tolle Erfahrung und ich würde es sofort wieder machen! :D

Mangelndes Selbstbewusstein

*seufz* Was hab ich mich über all die Jahre nicht selbst fertig gemacht..Je nach Situation fand ich mich nicht dünn genug, nicht sportlich genug, nicht hübsch genug, nicht intelligent genug,..ihr wisst schon.. Ich hab mich oft selbst kleiner gemacht als ich bin und dadurch sicher ein paar gute Gelegenheiten verpasst. Ich konnte nicht verstehen, was Mann an mir finden könnte usw. War auch nicht wirklich besser nachdem ich meinen Mann kennen gelernt hab, aber im Laufe der Jahre hat sich das schon gewandelt. Bin ich heute zufrieden mit mir selbst? Nein und das ist auch ok so. Ich will mich weiter entwickeln und verändern. Finde ich mich gut? Ja, tatsächlich tue ich das. Ich bin mir heute meiner Qualitäten viel mehr bewusst und weiß, dass meine positiven Eigenschaften viele kleinere „Mängel“ aufwiegen. Außerdem hab ich meine Leute, die mich so mögen wie ich bin und das reicht mir ;)

Ihr seht, es hat durchaus positive Seiten, älter zu werden ;) So viel zu mir, aber wie siehts bei euch aus? Habt ihr Probleme mit dem älter Werden oder ist euch das egal? Und würdet ihr gerne nochmal richtig jung sein? Warum? Bin schon gespannt auf eure Antworten!

Bis bald, eure Sandra

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