Was man unbedingt in London machen sollte: Theater!

Theater. Hach! Ich kann gar nicht beschreiben, was Theater für mich bedeutet! Magie. Eintauchen in andere Welten. Lachen und Mitfiebern. Seit meinen Teenagerjahren fasziniert mich Theater. Ich habe es geliebt, selbst zu spielen in unser Schultheatergruppe und ein Teil von mir wünscht sich noch immer hinauf auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Heute begnüge ich mich allerdings damit, gebannt im Publikum zu sitzen und reiße mich schwer zusammen, nicht mitzusprechen/singen bei Stücken, die ich gut kenne :D

Theater

„Der seligste Schlupfwinkel für diejenigen, die ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt und sich damit auf und davon gemacht haben, um bis an ihr Lebensende weiterzuspielen.“
Max Reinhardt (1873-1943), eigtl. Max Goldmann, östr. Regisseur, Theaterleiter u. Schauspieler

Hier in Österreich gehe ich nicht regelmäßig ins Theater, zumindest definitiv nicht oft genug. Beispielsweise will ich schon ewig eines von Nia’s Stücken live sehen…für die Nicht-Österreicher: Michael Niavarani, Kabarettist und Schauspieler, interpretiert Shakespeare neu ;) Total komisch und schauspielerisch einfach gut. Aber die Aufführungen sind immer weiter weg. Wien wäre ja theoretisch kein Problem, aber dann sollte man eigentlich in Wien übernachten und das ist immer gleich so ein Aufwand und blaa…ja, jedenfalls gönn ich mir sowas in der Regel eher nicht oder nur sehr selten. Aber darum solls jetzt gar nicht gehen…

London. London ist definitiv eine Kulturstadt und dazu gehört auch das Theater! Der Stadtteil West End besteht zu gefühlten 90% nur aus Theatern :D Abends ist das witzig, wenn  alle Vorstellungen fast zeitgleich aus sind und die Massen auf die Straßen strömen :D Na jedenfalls wusste ich schon lange vorher, dass ich mir unbedingt was anschauen wollte, wenn ich schon allein London bin (und auf niemanden Rücksicht nehmen muss, der Englisch nicht gut versteht)! Deshalb hab ich bereits von zuhause aus meine Vorstellungen gebucht – und zwar jeweils eine für jeden Abend  (!). Im Nachhinein war das ziemlich irre, weil ich nach dem langen Tag eh immer total am Ende war und dann noch im Theater gesessen bin *lach* Aber es war auch spitze, denn jedes einzelne Stück hat mir richtig gut gefallen, obwohl nicht ein (!!!) Musical dabei war (was ich ja eigentlich sehen wollte)!!! Und deshalb gibts jetzt auch ein kleines Review der drei Stücke, die ich gesehen hab…

TheTamingOfTheShrew

1. „The Taming Of The Shrew“ im Shakespeare’s Globe Theatre

Ganz oben auf meiner Bucket List für London stand ein Besuch im Globe Theatre! Dort werden immer abwechselnd verschiedene Stücke angeboten, derzeit gerade u.A. „A Midsummer Night’s Dream“, „The Taming of the Shrew“ und „MacBeth“. Am liebsten hätte ich „Ein Sommernachtstraum“ gesehen, weil ich das gut kenne, – und später noch lieber, weil ich bei der Führung dann das tolle Bühnenbild gesehen hab – aber mir hat dann „Der Widerspenstigen Zähmung“ am besten ins Konzept gepasst und es ist ja auch nett, mal was ganz Neues zu sehen. Ich wusste zwar grundsätzlich, worum es geht, war aber dann vor allem von der Intensität des Stücks überrascht…aber zuerst einmal zum Globe, denn allein in diesem Theater zu stehen ist schon ein ganz besonderes Gefühl!

Vielleicht wisst ihr es ja nicht, aber das Globe Theatre ist kein „normales“ Theater, sondern ein möglichst original-getreuer Nachbau des Globe Theatres, das zu Shakespeare’s Zeiten unweit der Stelle des heutigen Theaters gestanden hat. Das Original wurde mehrmals halb zerstört und ist auch einmal ganz abgebrannt, weil während einer Vorstellung das Abfeuern einer Kanone das strohgedeckte Dach in Brand gesetzt hat… ;) Endgültig geschlossen wurde es aber erst aufgrund der puritanischen Regierung, die Theater generell für sündig hielt. Aufgrund dessen verfiel das Haus dann auch und wurde später abgerissen.

Eigentlich gäbe es heute also kein Globe, wäre nicht Mitte des vergangenen Jahrhunderts ein Schauspieler und Shakespeare-Liebhaber namens Sam Wanamaker nach England gekommen. Dieser war völlig entsetzt, dass nichts an Shakespeare erinnert als eine metallene Plakette und hat es dann zu seinem Lebensaufgabe erklärt, das Globe wieder aufzubauen. Er hat die Eröffnung des neuen Globes 1997 nicht mehr miterlebt, weil er ein paar Jahre davor gestorben ist, aber ich bin sicher, er wäre hoch erfreut zu sehen, wie das Theater täglich Hunderte Menschen erfreut.

Was ist jetzt so anders am Globe? Zuerst einmal ist es rund und fast gänzlich aus Holz. Es gibt zwar auch „Ränge“ und Logen, aber die Mitte des Theaters bildet einfach ein großer Platz, auf dem das „arme Volk“ früher stand. Daran hat sich nicht viel geändert ;) Bis zu 700 Menschen stehen hier bei den Vorstellungen dicht gedrängt vor der Bühne – hat ein bisschen was von Festival-Stimmung :) Ist natürlich nicht sehr bequem (und auch etwas anstrengend auf Dauer), aber dafür kosten die Karten auch grade mal 5 Pfund und das ist gar nichts für eine Vorstellung.

Globe Theatre

Man muss als so genannter „Groundling“ aber mit 2 Dingen rechnen:
1. Regen. Nicht so schlimm, werdet ihr denken, man ist ja schließlich im Theater. Aber das ist eine weitere Besonderheit am Globe: es gibt kein Dach über dem Platz. Nur die Ränge sind überdacht (das bedeutet, auch da wirds reinregnen, wenn der Wind geht), nicht aber die Mitte des Theaters. Einerseits total schön unter freiem Himmel, andererseits bei schlechtem Wetter etwas feucht ;) Also immer Regenschutz dabei haben! Und damit meine ich keinen Schirm, denn wer dort unten einen Schirm aufspannt, der wird quasi „gesteinigt“, weil er anderen die Sicht versperrt…. ;)
2. Es kann schon mal passieren, dass man als Zuschauer plötzlich als „Requiste“ herhalten muss, die Schauspieler mit einem reden oder man irgendwas „abbekommt“ von der Bühne.. Also wer in den ersten Reihen direkt vor der Bühne steht, sollte nicht zu zimperlich sein. Bei meiner Vorstellung hat ein Darsteller einen Gast im Publikum als Pferd misbraucht und ist ziemlich wild auf seinen Schultern geritten….. War natürlich sehr witzig, aber ob es dem „Pferd“ gefallen hat, weiß ich nicht so recht ;)

Ich hab mich also als Groundling versucht und fand es wirklich toll! Ja, es ist anstrengend und manchmal haben mich die Personen direkt vor mir etwas genervt , aber dafür hat man wirklich das Gefühl, ganz nah dran zu sein und hört auch gut, was die Schauspieler sagen! Es ist übrigens in London (vermutlich England generell?) völlig normal, während einer Theatervorstellung zu essen und zu trinken. Was man also bei uns eher mit Kino assoziiert, macht einem ein langes Stück im Stehen gleich angenehmer. Es laufen Verkäufer mit Bauchläden herum, es gibt aber auch immer einen Shop, wo man Getränke, aber auch Chips und Ähnliches kaufen kann. Im „Duke of York’s Theatre“ gab es sogar eine Karte, von der man Dinge für nach der Pause bestellen konnte – echt cool!

Im Stück gehts darum, dass ein Kaufmann 2 Töchter hat, eine, die liebend gern offiziell mit Männern anbandeln und heiraten würde und eine andere, die ältere von beiden, die nichts von ihnen wissen will und mit scharfer Zunge gegen sie vorgeht. Da der Vater der beiden auf dem Standpunkt beharrt, dass Bianca, die jüngere Tochter, nur dann heiraten darf, wenn auch Katherina verheiratet ist, haben die Freier von Bianca ein Problem… Sie beschließen dann kurzerhand, einfach jemanden zu engagieren, der Katherina heiraten soll und unternehmen auch einige andere Dinge, um sich Bianca an den Hals zu schmeißen… ;) Der erwählte Bräutigam steht seiner Holden in nichts nach und bringt sie durch einen Trick tatsächlich dazu, ihn zu heiraten… Tja, aber ab diesem Zeitpunkt ergeht es ihr schlecht, denn er beginnt sie mit verschiedenen (ziemlich harten) Maßnahmen zu „erziehen“. Am Ende hat sie gelernt, dass man (s)einem Mann gehorchen sollte und es gibt ein Happy End auf der Hochzeit von Bianca.

Vom feministischen Standpunkt brauch ich mich hoffentlich nicht dazu äußern, was ich von der Handlung halte.. *stirnrunzel* Männer eben.. Das Stück generell ist aber richtig gut, die verbalen Schlagabtausche witzig und rasant. Es gibt Verkleidungen und Verwechslungen und wie immer ist Shakespeare auch ganz schön „deftig“ in mancher Hinsicht… ;) Die Schauspieler überzeugen mit jedem Wort – Petruchio schreit z.B. Katherina mehrmals plötzlich an und ich hatte wirklich Mitleid mit der Armen..

Natürlich hab ich nicht jedes Wort verstanden – Shakespearean English ist ja sowieso ein bisschen anders – aber ich konnte der Handlung ohne Probleme folgen, hab auch die Wortwitze verstanden usw. Also auf jeden Fall zu empfehlen, wenn man halbwegs sattelfest ist in Englisch ;) Am liebsten hätte ich mir am Sonntag gleich noch „Ein Sommernachtstraum“ angesehen in der Nachmittagsvorstellung, aber für den Tag hatte ich bereits Schiff und Eintritt für Greenwich gebucht, sodass ich mir das leider verkneifen musste…4 Theatervorstellungen in 3 Tagen wären aber auch etwas übertrieben oder? :D

Fazit: Daumen hoch für alle, die Shakespeare mögen!

Anmerkung: Wem die Geschichte übrigens bekannt vorkommt, der hat vielleicht „10 Dinge, die ich an die hasse“ gesehen! Der Film behandelt im Grunde dieselbe Geschichte, nur in der modernen Variante und nicht ganz so brachial wie Shakespeare ;)

Anmerkung 2: Keine Angst, die beiden anderen Rezensionen sind viel, viel kürzer als die erste ;)

DoctorFaustus

2. „Doctor Faustus“ im Duke of York’s Theatre

Oh Mann…Fangirl Alert ;) Ja, ich musste mir Kit Harrington alias Jon Snow aus „Game of Thrones“ einfach live ansehen! Hätten aktuell Benedict Cumberbatch oder Tom Hiddleston gespielt, dann hätte ich die bevorzugen müssen, aber so wurde es eben Kit als der berühmte Doktor Faust.

Die Geschichte des Faust wurde ja im Laufe der Zeit in mehreren Versionen erzählt.. Mit einer davon – nämlich der von Goethe – werden die meisten von uns in der Schule gequält worden sein ;) Ich muss zugeben, dass mir das Stück damals absolut nicht gefallen hat als Teenager und ich vermutlich auch nur die Hälfte davon verstanden hab.. Die Variante von Christopher Marlowe – ein Zeitgenosse von Shakespeare – ist aber erstens kürzer und zweitens war das Stück modern inszeniert, sodass es erstens gut zu verstehen und zweitens garantiert nicht langweilig war.

Worum gehts grundsätzlich? Faust ist größenwahnsinng ;) Also so würde ich es beschreiben. Er ist fasziniert von Magie und will sich am besten den Teufel Untertan machen. Tatsächlich verpfändet er seine Seele aber an den Teufel, der ihm dafür für eine gewisse Zeitspanne seinen Diener Mephistopiles zur freien Verfügung stellt, mit dessen Hilfe Faust unmögliche und teilweise grausame Dinge tut und berühmt wird. Er ist dabei immer wieder im Zweifel, ober er nicht bereuen und sich wieder Gott zuwenden soll. Irgendwann tötet er aber sogar seinen treuen Freund Wagner und dann ist es auch schon zu spät und er wird in die Hölle geholt.

Eigentlich nicht großartig viel Geschichte, und schon gar nicht kompliziert.. ;) Aber das Interessante am Faust-Stoff ist die psychologische Seite an Faust’s Verhalten, die Widersprüche und inneren Kämpfe, die er mit sich selbst ausfechten muss. Als Zuschauer möchte man Faust am liebsten schütteln und ihn zur Vernunft bringen – ganz zu schweigen von anderen Dingen, wenn Kit nur in Boxershort klatschnass unter der Dusche steht *räusper* , aber darum gehts ja nicht – doch Faust handelt, wie er eben muss und ist am Ende deswegen verdammt bis in alle Ewigkeit..

Mir hats jedenfalls gefallen, es war definitiv schwerere Kost als Shakespeare, aber gut gespielt und gut gemacht. Ich musste mich erstmal an Kit’s Originalstimme gewöhnen, weil ich Game of Thrones ja meistens auf deutsch schaue, aber das war nach kurzer Zeit erledigt und jetzt werde ich mir wahrscheinlich schwer tun, die deutsche Synchronstimme zu ertragen ;)

Fazit: Daumen hoch für die, die auch einmal „ernsthaftes“ Theater sehen wollen.

ThePlayThatGoesWrong

3. „The Play that Goes Wrong“ im Duchess Theatre

Ich muss zugeben, dass dieses Stück nicht unbedingt meine erste Wahl gewesen wäre, aber sonntags werden nicht viele Vorstellungen angeboten, sodass ich dann doch im Duchess Theatre gelandet bin.  Und was soll ich euch sagen? Ich hab so viel gelacht wie schon ewig nicht mehr… :D

Es geht darum, dass das Theater ein Kriminalstück aufführt und von vorne bis hinten einfach alles schief läuft, was schief laufen kann. Angefangen dabei, dass noch vor dem Start des Stücks im Stück ein Hund „verloren“ geht und das Publikum mitsuchen muss, ein Zuschauer beim Festhalten eines Regals helfen soll, dass dann mitten in einer Szene herunter fällt und jemand einspringen muss, der dann als Regal die Bücher und Kerzenständer hält usw. Später wird eine Schauspielerin ausgeknockt und die Assistentin muss einspringen, ein Schauspieler schaut dauernd ins Publikum und lässt sich feiern und auch der Tontechniker schaffts irgendwann auf die Bühne ;) Bis zum Ende des Stücks bricht dann fast die ganze Szene zusammen…

Hört sich chaotisch an, war es auch. ;) Aber auch richtig gut gemacht und wahnsinnig komisch! Ich hab mich mehrmals richtig erschrocken und mit den Schauspielern „mitgelitten“, wenn wieder eine Szene in die Hose gegangen ist… Definitiv also eine Empfehlung, wenn man mal so richtig lachen möchte! Und auch für Leute, die nicht so gut sind in Englisch, denn die Situationskomik versteht man so oder so! Das Stück ist irgendwie eine Mischung aus „Faulty Towers“ und „Mord ist ihr Hobby“, Slap Stick und Situationskomik..

Fazit: Daumen hoch für alle, die gern lachen! ;D

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